Los
Angeles, 17.06.1941
1. 2,11 Lester Steers USA
AAU-Meister
der Jahre 1939 und 1940 wurde der weiße kalifornische Student
Lester Steers, der die lange Vormachtstellung der schwarzen Hochspringer
ablöste. Er sprang einen abgewandelten Stil des Straddle, indem
er sich nicht parallel bäuchlings um die Latte drehte wie Dave
Albritton, sondern einen Hüftknick nutzte, um sich mit dem Schwerpunkt
noch niedriger zu halten. Er perfektionierte diesen "Tauchwälzer"
und war ungemein sicher. Bei einer Körpergröße von 1,87
wog er in seinem besten Hochsprungjahr 1941 immerhin stattli-che 88
kg und benötigte daher eine erhebliche Sprungkraft, die er sich
in einem intensiven Training aufbaute.
Nach einer Bestleistung in 1940 von 2,067 lag er schon an erster Stelle
der Jahresweltbestenliste. 1941 machte er noch einen erheblichen Schritt
nach oben. In der Hallensaison überquerte er in Eugene nach 2,083
i am 14.02., sogar 2,146 i (erster Springer über 7 Fuß -2,134!)
am 27.02., beide Wettkämpfe hatten als Schauspringen keinen offiziellen
Charakter, doch war damit eine riesige Erwar-tung auf die Freiluftsaison
aufgebaut.
Der Erste, der dann ein weltrekordreifes Ergebnis sprang, war aber nicht
Steers sondern William Stewart, der am 26.04. in Provo 2,09 überquerte.
Am selben Tage, ein wenig später, überquerte Steers 6'10''3/4
= 2,102m in Se-attle, einen Monat später, am 24.05., waren es dann
schon 2,1052 und am 17.06. war Lester bei 2,1082 angelangt. Nur dieses
letzte Wett-kampfergebnis wurde als Weltrekord aufgenommen und das nicht
etwa mit 2,10, wie es übertragen auf die cm-Sprünge im metrischen
System richtig gewesen wäre, sondern aufge-rundet mit 2,11(!!)
- Steers bekam einen 2mm-Bonus durch den IAAF - ein "Geburtstagsgeschenk",
denn Lester war einen Tag zuvor 24 Jahre alt geworden.
Steers hatte das Pech, dass sein Leistungshoch mitten im
II. Weltkrieg lag. Die Welt nahm verständlicherweise von sportlichen
Höchstleistungen kaum Notiz und die Gelegenheit zu internationalen
Vergleichen war selten. Stellvertretend für eine große Athletengruppe
mit demselben Schicksal seien hier der Stabhochspringer Cornelius Warmerdam
oder die schwedischen Mittelstreckler Arne Andersson und Gunder Hägg
genannt.
Lester Steers' sportliche Karriere war mit dem Jahr 1941, in dem er
so überragend sprang und als einzigen Makel den AAU-Titel bei glei-cher
Höhe (2,076) an William Stewart verlor, war danach beendet. Als
30-jähriger versuchte er es noch einmal, sprang immerhin 2,007
und tauchte noch einmal als Achter der Jahresweltbestenliste in den
Statistiken auf. Sein bestes Ergebnis im "Western Roll" war
2,038.
Der Weltkrieg brachte eine merkliche Leistungsstagnation, der Weltrekord
von Lester Steers hatte zwölf Jahre Bestand, das ist bis heute
die längste Zeitspanne, in der ein Hoch-sprungweltrekord nicht
überboten wurde. In späteren Jahren erinnerte man sich noch
häufig an seine perfekte Technik und nutzte sei-nen Rat im Hochsprungtraining.