Leningrad,
13.07.1957, Städtevergleich Leningrad : Helsinki
1. 2,16 < Juri Stepanow UdSSR
2. 2,01 Eino Simelius Finnland
3. 1,90 Valentin Bulkin UdSSR
Die
Saison 1957 war geprägt durch den Siegeszug des sogenannten "Katapultschuhes".
Dieser Schuh wurde am Sprungbein getragen und hatte eine keilförmige,
nach vorn bis auf 5 cm anwachsende Stärke der Sohle. Der Sprin-ger
sprang dadurch von einem erhöhten Ni-veau ab und hatte Vorteile
gegenüber dem Springer mit herkömmlichem Sprungschuh.
Besonders in der UdSSR wurde dieser Schuh mit großem Erfolg genutzt
und auch im übrigen Europa fand er zunehmend Anhänger. Mit
den bestehenden IAAF-Regeln konnte man diesem Hilfsmittel nicht beikommen,
obwohl sich die Stimmen mehrten, die die Ästhetik des Hoch-sprungs
gefährdet sahen. Zu Beginn der Sai-son 1958 wurde eine Regeländerung
be-schlossen, welche die Sohlenstärke auf ½ Inch (=12,7mm)
beschränkte und der "Spuk" war vor-bei.
Auch die Weltrekordliste erhielt einen Eintrag durch eine Leistung,
die mit dem "Katapultschuh" erzielt wurde. Beim Städtevergleich
zwischen den beiden am Finnischen Meerbusen gelegenen Großstädten
Leningrad und Helsinki steigerte sich der 25-jährige Leningrader
Juri Stepanow, der mit einer persönlichen Bestleistung von 2,09
in den Wettkampf gegangen war, zunächst auf den neuen Landesrekord
von 2,11 (davor Kaschkarow 2,10). Stepanow fühlte sich so stark,
dass er das Kampfgericht bat, die Weltrekordhöhe von 2,16 aufzulegen.
Gleich der erste Versuch gelang und er entführte den Hochsprungweltrekord
erstmals nach Europa. Das genaue Vermessen der übersprungenen Latte
ergab 2,162 und Juri hatte immer noch die Nerven zu einer weiteren Steigerung,
denn er versuchte sich noch dreimal an 2,18. Er scheiterte dreimal,
doch der zweite Versuch war nur sehr knapp gerissen. Diese Steigerung
des Russen um sieben cm in einem Wettkampf kann man getrost als Sensation
bezeichnen. Der Ablauf der Konkurrenz ist über jeden Zweifel erhaben,
zumal er auch unter den kritischen Augen finnischer Offizieller stattfand.
Meister der UdSSR wurde der Weltrekordler 1954 und 1958, in seinem be-sten
Jahr (1957) musste er sich mit dem zweiten Rang zufrieden geben. Seinen
einzigen internationalen Titel gewann Stepanow bei der Universiade 1957
in Paris, wo er mit 2,12 gewann und an einem neuen Weltrekord von 2,17
zweimal nur hauchdünn scheiterte. An den Europameisterschaften
nahm er 1954 und 1958 mit wenig Erfolg teil, denn er wurde nur Fünfter
bzw. Sechster. Psychische Probleme beendeten seine sportliche Laufbahn,
1959 bestritt er kaum Wettkämpfe, nachdem er im Frühjahr einen
Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Juri Stepanow nahm sich 1965 mit
nur 33 Jahren das Leben.