Philadelphia,
30.04.1960
1.
2,17 John Thomas USA
2. 2,03 Reggie Sheppard USA
3.= 1,93 Howard Norse USA
3.= 1,93 Lou Hilder USA
3.= 1,93 Charles Williams USA
3.= 1,93 Erroll Williams USA
John
Thomas, der Sohn eines Bostoner Auto-busschaffners, sprang im Februar
1957 als noch nicht einmal 16-jähriger 1,86 und damit erstmals
höher als seine eigene Körpergröße (damals 1,82m).
John hatte damit die selbst auferlegte Voraussetzung geschaffen, sich
für den Hochsprung zu entscheiden - er war näm-lich ein sehr
talentierter Tennisspieler, dem nicht wenige Fachleute in diesem Sport
eine große Karriere voraussagten. Im Verlaufe der Saison 1957
steigerte sich der langbeinige Neger auf 1,95 und 1958, er war noch
etwas gewachsen (1,87m), holte er sich schon die NCAA-Hallenmeisterschaft
mit 2,02, bei den AAU-Meisterschaften im Freien wurde er mit 2,032 "nur"
Dritter, das war insofern bitter, als die beiden Plätze für
die damals üblichen Län-derkämpfe an die vor ihm platzierten
Charles Dumas und Paul Stuber gingen. Zu einer großen Japanreise
im September durfte er aber mitkommen und steigerte sich über 2,08
und 2,09 auf 2,10 am 14.09. in Odawara, eine damals schier unglaub-liche
Leistung für einen 17-jährigen.
In der Hallensaison 1959 ging die Entwicklung von "Rocket John"
in gera-dezu beängstigender Weise weiter. Serienweise sprang er
Höhen über 2,10 und steigerte sich am 21.02. in New York auf
den neuen Hallenweltrekord (noch nicht offiziell geführt) von 2,165,
das war einen halben cm höher als Stepanows offizieller Rekord
im Freien! Im Frühjahr erfolgte dann ein herber Rückschlag
für den Himmelsstürmer, der fast das Ende seiner doch gerade
erst begonnenen Hochspringerlaufbahn bedeutet hätte. Bei einem
selbst verschuldeten Unfall in einem Fahrstuhl quetschte er sich seinen
Sprungfuß sodass ihm ein sechs mal acht cm großes Hautstück
aus der Hüfte entnommen werden mußte, um an seinem Fuß
eingesetzt zu werden. Die Freiluftsaison, auf die er mit so großer
Hoffnung hingearbeitet hatte, war dahin und er mußte sich Geduld
für die Genesungsphase auferlegen, was schwer genug war.
1960 war er wieder da! John war der Publikumsmagnet der Hallensaison,
denn bei jedem Wettkampf wackelte der Hallenweltrekord und bei vier
Veranstaltungen konnten die Zu-schauer eine Weltbestleistung bejubeln:
2,172 New York 30.01.1960
2,172 Boston 06.02.1960
2,184 New York 20.02.1960
2,195 Chicago 11.03.1960
Plötzlich erschienen 2,20m im Bereich des Möglichen! Der erste
Freiluft-Weltrekord fiel dann wie eine reife Frucht. Bei den "Penn
Relays" am 30.04. in Philadelphia nahm er den aufgelegten neuen
Weltrekord von 2,17 (2,1717), wie alle Höhen zuvor, im ersten Versuch.
An 2,195 scheiterte er danach dreimal.