Hoch- sprung


Moskau, 18.06.1961

1. 2,23 Valeri Brumel UdSSR
2. 2,11 Igor Kaschkarow UdSSR
3. 2,00 Alexander Leonow UdSSR

Im Olympiajahr 1960, als die Hochsprungwelt gebannt in die USA schaute und die atemberaubende Rekordjagd des John Thomas in sich aufsog, entwickelte sich auch in der UdSSR ein Springer, von dem in den folgenden Jahren noch viel mehr zu hören sein sollte. Es war der mit 1,85 für einen Hoch-springer eher klein geratene Sibirier Valeri Brumel; am 14.04.1942 in Tolbusino (Kreis Tschita, 500 km östlich des Baikalsees und 200 nördlich der mongolischen Grenze) geboren und später in Lu-gansk (Ukraine) aufgewachsen, begann er als 14-jähriger mit dem Hochsprung, kam nach bescheidenen Anfängen unter die Fittiche des Trainers Pjotr Schein und war 1959 als 17-jähriger schon bei 2,01 angelangt. Nun war er im Vorbereitungskader der Sowjetunion und unter der Obhut des Cheftrainers Prof. Wladimir Djatschkow. Brumel war inzwischen Student in Moskau und seine Leistungen steigerten sich fast beängstigend. Bei den Meisterschaften der UdSSR belegte der Jungstar zwar nur den sechsten Platz mit 2,00 (Sieger wurde Viktor Bolschow 2,10 vor Robert Schawlakadse 2,05), doch empfahl er sich insbesondere mit dem neuen Europarekord von 2,17 (13.08. in Moskau) so nach-haltig, daß er nicht nur in die Olympiamannschaft rückte, sondern schon als möglicher Medaillenkandidat galt. Die absolute Favoritenstellung des Amerikaners Thomas allerdings war dadurch nicht erschüttert.
Die sowjetischen Springer bereiteten sich unter der Leitung Djatschkows in harter Trainingsarbeit auf den Tag-X in Rom vor und glaubten an ihre Chance. Man wusste zwar um die Stärke des Amerikaners, aber es war auch bekannt, dass Thomas seine Wettkämpfe zum Schluss immer konkurrenzlos allein bestimmte und ihm deshalb der zu erwartende nervenzehrende Marathonwettkampf in Rom zu schaffen machen könnte. Djatschkow ließ seine Springer diese Wettkampfbedingungen mit langen Pausen zwischen den einzelnen Sprüngen im Training durchspielen und baute sie so stark auf, dass sie gemeinsam an ihre Chance glaubten. Der Wettkampfverlauf am 01.09. in Rom ging dann im Sinne der Bolschow, Bru-mel und Schawlakadse voll auf. Thomas blieb entnervt mit einer übersprungenen Höhe von 2,14 hängen und gewann knapp nur die Bron-zemedaille vor dem höhengleichen UdSSR-Meister Bolschow. Schawlakadse (1. Versuch) und Brumel (2. Versuch) nahmen als einzige die nächste Höhe von 2,16 und gewannen in dieser Reihenfolge Gold und Silber. Der Sieg Schawlakadses war innerhalb des sowjetischen Teams noch einmal eine Überraschung für sich, eher hätte man die beste Platzierung dem Meister Bolschow oder dem jungen Brumel zugetraut.
Brumel war nach dem Saisonhöhepunkt noch lange nicht satt. Er steigerte sich und da-mit den Europarekord noch dreimal (2,18 - Odessa, 17.09. / 2,19 - Lugansk, 09.10. / 2,20 - Ushgorod, 25.10.) und kam dem so weit entrückten John Thomas deutlich näher.
Im Winter 1961 gab es den ersten wirklichen Paukenschlag des Russen. Am 28.01. überquerte er in der Halle von Leningrad, in der von Naturboden abgesprungen wurde, 2,25(!) eine Höhe, die 40cm über seiner eigenen Körpergröße lag - das hatte es noch nie gegeben! John Thomas sprang zeitversetzt im "Boston Garden" in Kenntnis der neuen Bestmarke 2,215.
Brumel startete nach diesem Sensationssprung von Leningrad zu einer Wettkampfreise in die USA, um auf Hallenmeatings auch ge-gen Thomas anzutreten. Dreimal trafen die beiden besten aktuellen Hochspringer der Welt aufeinander und dreimal siegte der Russe ungefährdet:
New York (17.02.) Brumel 2,21, Thomas 2,16
New York (25.02.) Brumel 2,185, Thomas 2,13
New York (03.03.) Brumel 2,22, Thomas 2,08
Am 18.06.1961 folgte der erste offizielle Weltrekord Brumels; nach übersprungenen 2,18 wurde die Latte auf 2,235 gelegt, um auch in der absoluten Höhe John Thomas (2,232) zu übertreffen. Im zweiter Versuch war Brumel erfolgreich und holte den Weltrekord in die UdSSR zurück. Nach dem Weltrekord ver-suchte er sich noch dreimal vergebens an der damals unglaublichen Höhe von 2,30.

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VALERI BRUMEL, UdSSR

Statistik

Rekorde

Sprungfolge

Weltbeste
1900-1999

Bibliographie

Abkürzngs- verzeichnis

 

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