Eberstadt, 25.05.1980, Internationales Hochsprung-Meeting
1.
2,35 Jacek Wszola Polen
2.= 2,29 Carlo Thränhardt BR Deutschland
2.= 2,29 Dietmar Mögenburg BR Deutschland
4. 2,27 Gerd Nagel BR Deutschland
5. 2,24 Roland Dalhäuser Schweiz
6. 2,21 Klaus Trapka BR Deutschland
Im Olympischen Wettkampf 1976 siegte der nicht einmal 20-jährige
polnische Meister Jacek Wszola, dem die Fachleute, wen wundert es, eine
große Zukunft voraussagten. Der Wettkampf in Montreal wurde aus
der Sicht des damals amtierenden Weltrekordlers Dwight Stones zu WR
Nr.25 beschrieben. Wszola wurde zu Unrecht vor dieser Entscheidung unterschätzt.
Er schloss die Saison 1975 mit einer Bestleistung von 2,23 ab und steigerte
seinen Landesrekord vor den Olympischen Spielen bis auf 2,26. Sein Siegessprung
von 2,25 im zweiten Versuch, nach einem Wettkampf ohne vorherige Fehlversuche,
war durchaus ein Ergebnis, das ihm zuzutrauen war. Auch ein Stones sprang
nicht jeden Tag 2,30.
Zum Ende der Olympiasaison zeigte Wszola, dass er seine Möglichkeiten
noch nicht ausgeschöpft hatte. Er steigerte sich noch dreimal um
je einen cm bis auf 2,29. 1977 folgte am 11.09. in Fürth der erste
2,30-Sprung des Warschauer Lockenkopfes mit dem Babyface, doch 1978
und 1979 kam er nicht mehr an dieses Niveau heran und kam bei den Europameisterschaften
1978 in Prag mit 2,21 nicht über den sechsten Platz hinaus. Wszolas
Stern verblasste.
1980 war er plötzlich wieder da! Das Pfingssportfest in Eberstadt,
nahe bei Heilbronn, hatte einen guten Ruf. Hier fand seit 1976 auf einer
reinen Hochsprunganlage inmitten der umliegenden Weinberge ausschließlich
Hochsprung statt. Am 25.05.1980 waren 1.300 Zuschauer gekommen, um die
sehr starke deutsche Elite mit den 2,30-Springern Thränhardt, Mögenburg
und Nagel im Kampf mit dem Olympiasieger Wszola und dem guten Schweizer
Roland Dalhäuser zu beobachten. Aus deutscher Sicht verlief der
Wettkampf nicht ganz wie erwartet, denn das Trio blieb bei 2,27 (Nagel)
bzw. 2,29 hängen, demgegenüber war Wszola überragend.
Bis einschließlich 2,29 hatte der Pole keinen Fehlversuch, 2,31
überwand er im zweiten Anlauf und die Weltrekordhöhe von 2,35
in einem technisch sauberen Sprung auf Anhieb ohne Lattenkontakt.
Die Weltspitze war eng zusammengerückt, das konnte man schon in
Eberstadt erkennen, denn auch die Versuche der Deutschen zeugten von
großer Sprungkraft, technisch war allerdings Wszola der Mann des
Tages. Einen Tag später egalisierte Dietmar Mögenburg den
Weltrekord und bei den Olympischen Spielen in Moskau, an denen die Springer
der BR Deutschland neben den Amerikanern und vielen anderen Ländern
wegen des westlichen Boykotts nicht teilnehmen durften, wurde Wszola
als Favorit mit 2,31 Zweiter hinter dem mit 2,36 Weltrekord springenden
Gerd Wessig (DDR).
Die 80er Jahre verliefen eher unglücklich. Bei den Europameisterschaften
1982 gab es einen Disput mit dem polnischen Verband, weil Wszola gegen
den vom Verband geschlossenen Schuhvertrag mit Adidas verstoßen
haben soll - nach der Qualifikation wurde er nach Hause geschickt. An
den Olympischen Spielen 1984 durften die Polen, wegen des Gegenboykotts
durch den Ostblock, nicht teilnehmen.
Jazek blieb noch einige Jahre Weltklasse und sprang in den Jahren 1984
- 1986 erneut über 2,30, konnte allerdings mit der enteilenden
absoluten Spitze, die nun die 2,40 im Visier hatte, nicht mehr mithalten.
In seiner polnischen Heimat wurde er zwischen 1974 und 1988 elfmal Landesmeister.