Moskau, 01.08.1980, Olympische Spiele, Endkampf
1.
2,36 Gerd Wessig DDR
2. 2,31 Jazek Wszola Polen
3. 2,31 Jörg Freimuth DDR
4. 2,29 Henry Lauterbach DDR
5. 2,24 Roland Dalhäuser Schweiz
6. 2,24 Vasa Komnevic Jugoslawien
Der Olympische Hochsprungendkampf wurde zu einer handfesten Sensation,
denn nicht der gut aufgelegte Titelverteidiger und Weltrekordler Jazek
Wszola (Polen) gewann die Konkurrenz, sondern der für den SC Traktor
Schwerin startende Goldberger Gerd Wessig. Zudem nahm er, als der Wettkampf
nach übersprungenen 2,33 schon entschieden war, Wszola und Mögenburg
mit 2,36 den Weltre-kord ab. Eine große Konzentrationsleistung,
denn mit der Sicherheit schon als Sieger festzustehen, war die nötige
Spannung nur noch schwer aufrecht zu erhalten, zudem war, durch ins
Stadion hereinkommenden Marathonläufer, gerade zu diesem Zeitpunkt
viel Unruhe unter den Zuschauer. Wessig war der erste und bis heute
einzige Hochspringer der mit Weltrekord Olympiasieger wurde.
Gerd Wessig kam als Sohn eines Sportlehrerehepaares schon früh
mit der Leichtathletik in Verbindung und auch sein Talent für den
Hochsprung wurde sehr bald erkannt. Obwohl die Entwicklung der ersten
Jahre nicht so stürmisch verlief wie bei dem Ausnahmespringer Mögenburg,
so steigerte er sich z.B. als 16/17-jähriger in einem Kalenderjahr
von 1,85 auf 2,11i (26 cm) ebenfalls außergewöhnlich.
Im vorolympischen Jahr 1979 stand seine Bestleistung bei 2,21 (2,23
i), eine Leistung, die noch nicht zum Traum vom Endkampf in Moskau berechtigte.
1980 steigerte er sich schon in der Halle auf 2,29i. Im Verlauf der
Freiluftsaison verbesserte er nicht nur seine Spitzenleistungen sondern
wurde auch be-ständiger. DDR-Meister wurde Wessig in Cottbus mit
erstmals übersprungenen 2,30, damit gehörte er schon zum Kreis
der Endkampfanwärter mit Chancen auf eine Medaille und dann kam
seine Steigerung um weitere sechs cm bis zum neuen Weltrekord!
Nach diesem Höhepunkt, der zeitlich nicht besser hätte fallen
können, kam eine lange Pechsträhne. Wessig zog sich eine Knorpelverletzung
am Sprungbein zu, die nur sehr langsam verheilte. Die Saison 1981 fiel
sportlich völlig aus und der Weg Anschluss an die Weltspitze im
Hochsprung zu finden war schwer. Wessig, der bei einem Gardemaß
von 2,01 sehr athletisch war, versuchte sich auch im Zehnkampf, zumal
Siegfried Stark zu seinen Trainingskameraden gehörte 1983 kam er
auf beachtliche 8.015 Punkte. Im Hochsprung wurde er wieder ein 2,30-Mann
(insgesamt in 10 Wettkämpfen übersprungen), doch gemessen
an seinem Olympiasieg und seinem Weltrekord kam er nie wieder zu einem
ähnlich spektakulären Ergebnis. 1989 beendete er seine aktive
Laufbahn, blieb dem Sport aber weiter verbunden und erzielte auch in
den folgenden Jahren bei sporadischen Wettkämpfen noch gute Leistungen.
Der gelernte Koch heiratete 1986 die Weitspringerin Christine Schima
(Bestleistung 6,96).