Paris / Colombes, 07.07.1924, Olympische Spiele (Weitspr. im Rahmen
des Fünfk.)
1.
7,765 Robert LeGendre USA
2. 6,96 Morton Kaer USA
3. 6,895 Hugo Lahtinen Finnland
4. 6,83 Brutus Hamilton USA
5. 6,77 Elmér Somfay Ungarn
6. 6,72 Leo Leino Finnland
Der Weitsprungweltrekord wechselte bei den Olympischen Spielen 1924
in Colombes den Besitzer, das passierte aber ku-rioserweise nicht im
eigentlichen Weitsprungwettbewerb, sondern im damals zum letzten Mal
ausgetragenen Fünfkampf. Der erste Wettbewerb dieses Mehrkampfes,
bei dem die Platzie-rungspunkte der Wettkämpfer in den einzelnen
Wettbewerben zusammengezählt wurden, war der Weitsprung. Nach zwei
normalen, am oberen Limit des Amerikaners (Bestleistung 7,43) liegenden
Sprüngen von 7,28 und 7,31 landete er im dritten Versuch bei sensationellen
7,765 und damit war ein neuer Weltrekord geboren (zunächst mit
7,77 anerkannt und viel später auf 7,76 korrigiert).
Dieser riesige Vorsprung, den der Weitsprungweltrekord Le-Gendre nach
der Zehnkampftabelle eingebracht hätte, verpuffte nach dem damaligen
Wertungssystem, in dem nur die Platzierung zählte. In den übrigen
vier Disziplinen war der 1,90m große LeGendre lange nicht so stark
und erreichte ins-gesamt 18 Punkte, die zum Gewinn der Bronzemedaille
reich-ten. Damit hatte er sich gegenüber den Spielen 1920 um einen
Platz gesteigert, denn in Antwerpen war er punktgleich mit dem Finnen
Hugo Lahtinen. In solch einem Fall von Gleichstand wurden die fünf
Leistungen nach der Zehnkampftabelle bewertet und dadurch hatte Lahtinen
die Nase vorn. 1924 reichten die erzielten Punkte in Colombes nach der
damaligen Zehnkampftabelle zu einem Weltrekord von 3.874,125 Punkten,
allerdings wurde diese Disziplin nicht offiziell geführt.
1920 und 1924 gewann Eero Lehtonen (Finnland) den Fünf-kampf. Dieser
Disziplin fehlte allerdings die Ausstrahlung und den erzielten Punkten
naturgemäß die Vergleichbarkeit, sodass er 1924 zum letzten
Mal olympisch ausgetragen wurde.
LeGendre, ein Sohn französischer Einwaderer, war vom Talent her
Weitspringer, hatte aber im eigenen Land immer andere, bessere Konkurrenten
vor der Nase und wurde nie Landesmei-ster. Seine sportliche Karriere
hatte ihren ersten Höhepunkt, als er 1919 bei den Inter-Allied
Military Games in Paris den Fünfkampf gewann. Damals wäre
er auch gern im Weitsprung angetreten, doch die Mannschaftsleitung ließ
ihn nicht teilnehmen, damit er sich auf den Mehrkampf konzentrieren
könne. LeGendre hatte sich darüber maßlos geärgert.
Bei den Olympischen Spielen 1924 war die Situation ähnlich, denn
er war nicht für den Weitsprung nominiert und wollte beweisen,
dass er auch hier die Geldmedaille gewonnen hätte. DeHart Hubbard
gewann diese Konkurrenz mit 7,44, einer um 32 cm kürzeren Weite.
Nach seiner sportlichen Laufbahn schloß der Modellathlet sein
Zahnmedizinstudium ab, wollte aber auch Schauspieler werden, er galt
als sehr talentiert und man sagte ihm eine steile Karriere voraus. Das
Schicksal wollte es anders, er starb ein paar Jahre später an Tuberkulose.