Tokio, 27.10.1931, Wettkampf Japans gegen seine Studentenauswahl
1.
7,98 Chuhei Nambu Japan
2.
3.
In
den dreißiger Jahren machten die kleinen, schnellkräftigen
Japaner erstaunliche Fortschritte in den Sprungwettbewerben. Einer der
Bahnbrecher zur Weltklasse war der 1904 im späteren Olympiaort
Saporro geborene Chuhei Nambu. Er war ein exzellenter Sprinter (Bestleistung:
10,5 - 1933) und schon 1928 Olympiateilnehmer in Weit- und Dreisprung,
außerdem war er schnell genug, um in die 4x100m-Sprintstaffel
aufgenommen zu werden, die allerdings im Vorlauf scheiterte.
Den größten Leistungssprung machte Nambu, den man auch in
den Wettkämpfen nur freundlich lächelnd kannte, in der Saison
1931. Er verbesserte den Landesrekord zunächst im April auf 7,64
und Ende Juni war er bei 7,67 angelangt. Am 27.10., als die Saison in
Europa und Nordamerika beendet war, berichteten die Fernschreiber der
Sportagenturen von Sprungweltrekorden aus der Hauptstadt Nippons. Chuhei
Nambu war in Tokios Jingu Stadion bei einem Wettkampf gegen eine Studentenmannschaft
gleich im ersten Versuch mit 7,98 ganz dicht an die 8-Meter-Traumgrenze
gesprungen, es sollte der weiteste Sprung seiner Laufbahn bleiben. Am
selben Tag und am selben Ort sprang Nambus Landsmann Mikio Oda auch
im Dreisprung Weltrekord mit 15,58 - eine Sternstunde für Japans
Leichtathletik.
1932 gehörte Nambu zu den Olympiafavoriten, sowohl im Weit- als
auch im Dreisprung. Im Weitsprung gewann er als Dritter, zu seiner großen
Enttäuschung, nur die Bronzemedaille. Doch der drei Tage später
stattfindende Dreisprung Endkampf erlebte einen viel besser aufgelegten
Nambu, der den Wettbewerb be-herrschte, weil ihm im fünften Versuch
alles gelang und sein Sprung mit dem phantastischen neuen Weltrekord
von 15,72 gemessen wurde. Nambu hielt bis 1935 beide Weltrekorde und
ist bis heute der einzige Springer, dem dieses Weltrekorddouble gelang.
Die beiden Horizontalsprünge erfordern doch unterschiedli-chere
Eigenschaften als man gemeinhin glaubt, denn sonst hätte es häufiger
Springer-Kar-rieren gegeben, die in beiden Disziplinen parallel gleich
gute Leistungen hervorgebracht hätten. Heute mehr als früher
ist das die Ausnahme.