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Ann Arbor, 25.05.1935
1.
8,13 James C. Owens USA
2. 7,67 Willis Ward USA
3. 7,36 Harry Hollis USA
Jesse Owens wurde am 12.09.1913 in Danville, Alabama, als eines von
acht Geschwistern einer armen Negerfamilie geboren. Er sollte einer
der beliebtesten und bekanntesten Leichtathleten aller Zeiten werden.
Sein Name wird noch heute mit seinen großartigen Siegen bei den
Olympischen Spielen 1936 in Berlin und mit den Er-gebnissen des Rekordnachmittags
am 25.05.1935 in Ann Arbor in Verbindung gebracht.
Den Durchbruch in die nationale und damit auch in die Weltspitze schaffte
Jesse, der genau genommen James Cleveland hieß, am 07.06.1933
bei den Schulmeisterschaften in Chicago, wo er über 100y den bestehenden
Weltrekord von Frank Wykoff und Daniel Joubert (Südafrika) in 9,4
egalisierte (inoffiziell) und über 220y mit 20,7 den Weltrekord
(20,6 - Locke) nur um 0,1 sek verfehlte. 1934 wurde Owens AAU-Meister
im Weitsprung, dem er sich neben dem Sprint ebenso verschrieben hatte.
Mit 7,81 war er am Ende dieser Saison schon Erster der Jahresweltbestenliste.
Er startete häufig und es war keine Seltenheit, dass er neben den
Sprints auch im Weitsprung an den Start ging.
Ein ganz besonderer Tag war der 25.05.1935, der nachbetrachtend "The
day of the days" ge-nannt wird. Die Voraussetzungen für Jesse
sahen zunächst alles andere als günstig aus, denn eine Verletzung
im Rückenwirbelbereich, die er sich einige Tage vorher zugezogen
hatte, behinderte ihn am Morgen dieses Tages noch so stark, dass kaum
an einen Start zu denken war. Sein Coach Larry Snyder konnte ihn dazu
über-reden, es wenigstens zu versuchen, er tat ihm den Gefallen
und alles lief plötzlich wie von selbst. In knapp einer Stunde
überschlugen sich die Ereignisse:
15.15 Uhr - 100y
Jesse Owens deklassierte seine Gegner, nimmt dem Zweiten 5 Yards ab
und siegt in dem bestehenden Weltrekord von 9,4. Alle offiziell ge-stoppten
Uhren zeigen 9,4, drei weitere, zur Sicherheit eingesetzt, sogar 9,3
(!).
15.25 Uhr - Weitsprung
Jesse musste sich beeilen, um noch am Weitsprung teilnehmen zu können.
10 Minuten nach dem Weltrekordlauf über 100y stand er an seiner
Ablaufmarke, direkt vor der Tribühne. Er hatte einen Freund gebeten,
ein Taschentuch als Markierung bei 26 Fuß (7,93m) zu platzieren,
danach lief er an. Ein, auch nach den heutigen Regeln zulässiger
Rückenwind von 1,5 m/sek unterstützte den Anlauf des zu diesem
Zeitpunkt schnellsten Mannes der Welt und er landete sehr deutlich hinter
der "Taschentuch-Marke". Es war sofort klar, dass dieser Sprung
Weltrekord bedeutete, gemessen wurden sensationelle 8,13 (!) - ein Fabelweltrekord,
der 25 Jahre, 2 Monate und 18 Tage Bestand haben sollte. Auf weitere
Sprünge verzichtete Owens und setzte sein Tagespensum fort.
15.45 Uhr - 220y (Gerade)
Wer nun annahm, die Spannung sei bei Owens nach den beiden Weltrekorden
heraus, sah sich getäuscht. Wieder lief er wie entfesselt und die
drei Uhren stoppten am Ende der langen Geraden bei 20,3. Das war drei
Zehntel einer Sekunde schneller als Locke 1926 über 220y gelaufen
war und auch schneller als Metcalfes 20,6 über die kürzere
200m-Distanz. Genau genommen waren das zwei Weltrekorde in einem Lauf
und so ging die Endzeit auch in die Weltrekordlisten ein.
16.00 Uhr - 220y Hürden
Direkt nach dem Lauf über 220y wurden die Hürden über
die gleiche Strecke auf die Aschenbahn gestellt. Jesse Owens war ein
geschmeidiger Läufer mit großem Bewegungstalent. Die niedrigen
Hürden des 220y-Laufes lagen ihm. Er gewann das Rennen wiederum
deutlich und auch hier unterbot er die beste-hende Bestmarke seines
Landsmannes Norman Paul von 23,0 in 22,6 beträchtlich. Zählt
man auch hier die 220y- und die 200m-Strecke getrennt, so waren das
die Weltrekorde Nummer Fünf und Sechs an diesem Nachmittag, der
in die Sportgeschichte einging.
Der Weltrekord im Weitsprung hatte sich im Frühjahr 1935 schon
angedeutet, denn Jesse sprang am 26.04. in Des Moines mit 7,97 bis auf
einen cm an den Weltrekord Nambus heran, bemerkenswert war bei diesem
Sprung, dass Jesse nach Augenzeugenberichten mit den Füßen
etwa 15 cm weiter gesprungen war, sich dann aber nicht halten konnte
und zurückfiel. Trotz dieser überragenden Leistungen von Ann
Arbor war Jesse nicht unschlagbar, schon bei den AAU-Meisterschafften
am 04.07. in Lincoln verlor er über 100m gegen Eulace Peacock und
Ralph Metcalfe und im Weitsprung reichten 7,98 nicht, um seinen Titel
aus 1933 und '34 gegen den genau acht Meter springenden Peacock zu verteidigen.
Peacock, der zweite 8-Meter-Mann der Weitsprunggeschichte, war dann
im Olympiajahr 1936 der große Pechvogel der Saison, denn eine
Verletzung warf ihn so weit zurück, dass er sich nicht für
das Olympiateam qualifizieren konnte. Es ist jammerschade, dass es dadurch
in Berlin nicht zum Dreikampf Owens - Peacock und dem Deutschen Luz
Long kam.
Das Stichwort "Olympischer Weitsprungendkampf" bietet sich
an dieser Stelle an aufgegriffen zu werden. Owens hatte sich bei den
Trials neben den Sprints auch mühelos für den Weit-sprung
qualifiziert Er wurde zum großen Sprintstar der Spiele, gewann
in überragender Manier beide Einzelkonkurrenzen und als Mitglied
der erstmals mit 39,8 unter 40 Sekunden laufenden 4 x 100m-Staffel weiteres
Gold. Im Weitsprung lief es zunächst nicht so glatt. Unerwartete
Schwierigkeiten bereitete die Qualifikation, in der drei Versuche zulässig
waren, die für ihn lächer-liche Weite von 7,15 zu springen.
Ein Missver-ständnis raubte Jesse die erste Chance, denn er glaubte
noch einen Probeanlauf zu haben und lief nur über den Balken, um
seinen Anlauf zu vermessen, doch dieser Anlauf galt schon als offizieller
Versuch und Owens blieben noch zwei Chancen. Es herrschte ein starker
Rückenwind von über 3 m/sek, der die Springer zwar unterstützte,
jedoch häufig zum Übertreten des Bal-kens verleitete, das
passierte auch dem Weltrekordler, der nun sichtlich nervös wurde.
In dieser Phase nahm sich der Deutsche Luz Long seiner an und beruhigte
ihn, im dritten Versuch folgte endlich ein gültiger Sprung, die
Weite von 7,15 war kein Problem!
Am Nachmittag des gleichen Tages folgte der Vor- und Endkampf, der sich
zu einem Zweikampf zwischen Long und Owens entwickelte, hier die Sprungfolge
der beiden Konkurrenten: 1. Versuch Long 7,54 - Owens 7,74, 2. V. Long
7,74 - Owens 7,87, 3. V. Long 7,84 - Owens 7,75, 4. V. Long 7,73 - Owens
ungültig, 5. V. Long 7,87 - Owens 7,94, 6. V. Long ungültig
- Owens 8,06. Im deutschen Olympiabuch 1936 schreibt Dr. M.Hausmann
abschließend zu diesem mitreißenden Zweikampf: "Seine
(Owens') Leistung findet einmütige Bewunderung und Deutschland
ist stolz darauf, ihm einen Gegner gestellt zu haben, der ihm das Letzte
abver-langte."
Nach den Spielen in Berlin nahm er noch an einigen Wettkämpfen
in Europa teil und erklärte bei seiner Rückkehr in die Vereinigten
Staaten seinen Übertritt ins Lager der Berufssportler. Owens war
zu diesem Zeitpunkt erst 23 Jahre alt.
Zu weiteren Einzelheiten seiner Laufbahn als Sprinter verweise ich auf
die Weltrekordberichte: 100m Nr.14, 200m/220y Nr. 12 und 4 x 100m Nr.14.
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JESSE OWENS bei seinem legendären Sprung von 8,13 am 25.05.1935
in Ann Arbor
Statistik
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