Walnut, 12.08.1960, Olympische Testwettkämpfe
1.
8,21 Ralph Boston USA
2. 7,60 Anthony Watson USA
3. 7,47 Darrell Horn USA
Jesse
Owens' 8,13-Weltrekord bestand am 25.05.1960 25 Jahre und er war in
diesem ¼-Jahrhundert nicht einmal allzu häufig in Gefahr.
Die Weltbestenliste aller Zeiten enthielt zum 31.12.1959 folgende Namen
und Leistungen:
8,13 Jesse Owens USA Ann Arbor 25.05.1935
8,10 Gregory Bell USA Austin 14.06.1957
8,07 A Willie Steele USA Salt Lake City 21.06.1947
8,03 A Rosslyn Range USA Mexiko City 14.03.1955
8,01 A John Bennett USA Mexiko City 14.03.1955
8,01 Igor Ter-Owanessjan UdSSR Moskau 16.05.1959
8,00 Eulace Peacock USA Lincoln 04.07.1935
8,00 George Brown USA Fresno 10.05.1952
7,98 Chuhei Nambu Japan Tokio 27.10.1931
7,98 Henk Visser Niederlande Bukarest 17.09.1956
Gregory Bell, der Olympiasieger von 1956 kam in 1957 und 1959 mit jeweils
8,10 zweimal ganz nahe heran, doch übertroffen wurden die 8,13
von Ann Arbor nicht. Im Olympiajahr 1960 kam es dann endlich zur Verbesserung.
Zunächst war Berlin am 24.07. der Mittelpunkt des Inter-esses,
anlässlich der deutschen Meisterschaft (DLV) sprang der Mediziner
Manfred Steinbach im vierten Versuch einer glänzenden Serie sensationelle
8,14, doch gab das Kampfgericht einen zu starken Rückenwind von
3,2 m/sek bekannt, sodass der Sprung nicht als Rekord angemeldet werden
konnte. Die beste reguläre Weite Steinbachs, die er innerhalb dieses
Wettkampfes zweimal erreichte waren 7,93, die die Verbesserung des Deutschen
Rekordes (7,90, Luz Long, 01.08.1937) bedeutete. Der bekannte Leichtathletik-Fachjournalist
Ekkehard zur Megede, der Augenzeuge dieses Wettkampfes war, berichtete
viele Jahre später, dass ihm der Hauptkampfrichter anvertraut habe,
dass das Weitsprungkampfgericht beim 8,14-Sprung Steinbachs versäumte
die Windwerte festzuhalten. Man habe sich deshalb entschlossen, mit
+3,2 m/sek einen Wert anzusetzen, der über dem Limit lag, um kein
Rekordprotokoll ausfüllen zu müssen. Zur Megede veröffentlichte
diese Umstände absprachegemäß nach dem Tode dieses Kampfrichters.
Wahrscheinlich kam Manfred Steinbach durch diese Nachlässigkeit
um die Ehre des Weitsprungweltrekordes. Mit der 4 x 100m-Staffel der
BR Deutschland in der Aufstellung Steinbach - Lauer - Fütterer
- Germar war Steinbach am 29.08.1958 an einem anerkannten Weltrekord
in 39,5 beteiligt.
Drei Wochen später, als man in Deutschland auf eine neuerliche
Chance Steinbachs hoffte, die acht Meter zu übertreffen, kam aus
den USA die Meldung vom 8,21-Sprung Ralph Bostons bei olympischen Testwettkämpfen
in Walnut. Dieser mächtige Satz gelang dem zu diesem Zeitpunkt
21-jährigen Neger im fünften Versuch. Beim Einspringen hatte
sich Ralph zuvor mit den Nägeln seiner Spikes selbst eine Fleischwunde
zugezogen, die genäht werden musste, dieses Handicap ignorierte
er und verbesserte im fünften Versuch den lä-gendären
Weltrekord, nachdem er im dritten Versuch mit 8,07 schon dicht herangekommen
war.
Boston verbesserte seinen persönlichen Rekord aus dem Jahre 1959
(7,69) in 1960 kontinuierlich bis zum Weltrekord. Der Newcomer war natürlich
Favorit auf die Goldmedaille in Rom. Dieser Rolle wurde er mit 8,12
gerecht, sein Landsmann Irvin Roberson kam ihm mit 8,11 jedoch bedrohlich
nahe und auch der Europameister Igor Ter-Owanessjan (UdSSR) mit 8,04
(Europarekord) und Manfred Steinbach (8,00) hatten eine Acht vor dem
Komma. Der Weitsprung hatte in seiner Weltspitze einen gehörigen
Schritt nach vorn gemacht.