Mexiko City, 18.10.1968, Olympische Spiele, Endkampf
1.
8,90 A Robert "Bob" Beamon USA
2. 8,19 Klaus Beer DDR
3. 8,16 Ralph Boston USA
4. 8,12 Igor Ter-Owanessjan UdSSR
5. 8,09 Tönu Lepik UdSSR
6. 8,02 Alan Crawley Australien
Beim
Weitsprungwettbewerb der Olympischen Spiele 1968 geschah etwas einzigartiges,
denn der Weltrekord der beiden führenden Athleten der Vorjahre,
Ralph Bosten und Igor Ter-Owanessjan mit jeweils 8,35 wurde geradezu
pulverisiert! Der Star des 18.10.1968 war der 22-jährige US-Student
Bob Be-amon. Doch der Reihe nach:
Am Vortag, dem 17.10. waren in der Qualifikation 7,66 gefor-dert, Boston
sprang ganz sichere 8,27 im ersten Versuch und deutete damit an, daß
der Sieg nur über ihn führen konnte. Sein junger Landsmann
Bob Beamon, der in diesem olympischen Jahr ganz groß herausgekommen
war und sich bei den AAU-Meisterschaften mit 8,33 sicher durchsetzen
konnte, kam mit dem An-lauf nicht zurecht, er machte einen fahrigen
Eindruck und hatte zwei Fehlversuche, erst nach dem dritten Anlauf sprang
er 8,12 und qualifizierte sich in letzter Sekunde. Die Weite war nichts
besonderes, wenn er nicht wieder aufgrund neuerlicher Anlaufprobleme
ca. 30 cm verschenkt hätte. Rechnet man den gemessenen 8,12 diese
30 cm hinzu war man bei absoluten Weite von ca. 8,40. Was konnte bei
diesem sprunggewaltigen Athleten herauskommen, wenn einmal alles stimmen
würde? Die Antwort folgte schneller als erwartet.
Bob Beamon war als Vierter Springer des ersten Durchganges an der Reihe,
nachdem die ersten drei Konkurrenten übergetreten hatten. Beamon
lief, ohne sich aufwendig zu konzentrieren ab, beschleunigte mit langen,
federnden Schrit-ten, traf den Absprungbalken genau und flog in einer
unglaublich hohen Sprungkurve mit angezogenen Beinen bis an der Rand
der Sprunggrube. Für jeden Augenzeugen war sofort klar, dass er
alle Rekordmarkierungen weit hinter sich gelassen hatte, selbst die
an der Anlage angebrachte Messvorrichtung konnte diese Weite nicht mehr
wahrnehmen, der Sprung war einfach zu weit. Erst mit einem eilig herbeigeholten
Stahlbandmaß konnte endlich die Weite dieses, und das war inzwischen
klar, nicht übergetretenen Sprunges, gemessen.
Dann leuchtete an der Anzeigetafel des Weit-sprunges ein Ergebnis auf,
das kein Fachmann für möglich gehalten hätte und das
die gesamte Konkurrenz erstarren ließ: 8,90 (!!).
Der Rückenwind wurde mit dem genau zulässi-gen Limit von +2,0
abgelesen und der Anerkennung dieses Fabelweltrekordes stand nichts
im Wege. Beamon brachte noch einen zweiten Sprung von 8,04 zustande
und brach den Wettbewerb danach ab. Die Konkurrenz war wie gelähmt
und konnte natürlich auf diesen Sprung keine Antwort finden. Im
zweiten Durchgang setzte starker Regen ein so dass auch die äußeren
Bedingungen kaum mehr Steigerungen zuließen. Überraschender
Zweiter wurde Klaus Beer (DDR), der nicht mit übermäßig
hochgesteckten Erwartungen in den Wettkampf gegan-gen war und als einziger
Springer (außer Beamon) seine Bestleistung steigern konnte und
mit deutschem Rekord von 8,19 Silber gewann.
Die Erklärung für den Fabelweltrekord Beamons liegt natürlich
in den optimalen Bedingungen: Höhenlage von 2.248m, Rückenwindunterstützung
von maximal zulässigen 2 m/sek, exaktes Treffen des Absprungbalkens
und die unbekümmerte mentale Einstellung bei optimaler körperlicher
Verfassung. Alle diese Faktoren konnten jedoch an diesem Nachmittag
zwar einen Weltrekord, nicht aber dieses unvorstellbare Ergebnis erklären.
Der bekannte amerikanische Statistiker Dr. Donald Potts rechnete seine
Leistung auf Meereshöhe bei Windstille zurück und kam dennoch
auf einen überragenden "Weltrekord" von 8,56. Beamons
erster Kommentar, nachdem er die Tragweite seines Sprunges zu begreifen
begann, war: "Tell me I am not dreaming!" (Sag mir, dass ich
nicht träume!). Bosten sagte von Beamon vor den Spielen: "Wenn
Bob anläuft, habe ich immer das beklemmende Gefühl es könnte
etwas ganz besonderes passieren."
Für die weitere sportliche Laufbahn Beamons waren diese 8,90 keine
gute Grundlage. Nie wieder war er in der Lage eine ähnliche Weite
zu springen, wobei auch Verletzungen ihren Teil dazu beitrugen. 1969
kam er immerhin noch auf 8,20 und verschwand in den siebziger Jahren
ganz von der Bildfläche, später wurde er Berufssportler und
wurde 1973 noch einmal mit 8,16 gemessen. Seine Karriere war kurz, bestand
eigentlich nur aus der Saison 1968, in der er ungeschlagen blieb, er
hatte eine Leistung im genau richtigen Zeitpunkt vollbracht, die in
ihrer für unmöglich gehaltenen Überlegenheit einmalig
ist. Der Weitsprungwettbewerb brauchte viele Jahre um sich zunächst
an einen solchen Rekord zu gewöhnen und um sich dann doch nä-her
und näher heranzutasten (siehe Jahreswelt-beste im Anhang).