Tokio, 30.08.1991, Weltmeisterschaft, Endkampf

1. 8,95 Mike Powell USA
2. 8,91w Carl Lewis USA
3. 8,42 Larry Myricks USA
4. 8,22w Dietmar Haaf Deutschland
5. 8,06 Bogdan Tudor Rumänien
6. 8,02 Dawid Culbert Australien

Nach Beamons 8,90-Sprung in Mexiko sprach man von dem Sprung ins nächste Jahrtausend und meinte damit, dass niemand in Sicht war, der dieser Traumweite hätte gefährlich werden können. Anfang der achtziger Jahre erwuchs in dem Amerikaner Carl Lewis jedoch ein Athlet, der sowohl im Sprint als auch im Weitsprung die Entwicklung vorantrieb und dem an einem gu-ten, besser gesagt an einem sehr guten Tag mit den Idealvoraussetzungen Beamons am 18.10.1968 auch ein Weitsprung von über 8,90 zuzutrauen war. Zunächst verglich man ihn mit Jesse Owens, als er dessen vierfachen Sieg in Berlin bei seinem ersten großen internationalen Start, den Weltmeisterschaften 1983 in Helsinki, wiederholte. Im Gegensatz zu Jesse's Karriere, die mit dem olympischen Auftritt endete, fügte Lewis über Jahre einen Sieg an den anderen, brachte es insgesamt auf 12 offizielle Sprintwelt-rekorde (einschl. Staffeln), neun Olympiasiege und acht Weltmeisterschaften, davon entfielen vier Olympiasiege und zwei Weltmeistertitel auf den Weitsprung - allein der Weltrekord im Weit-sprung war auch für ihn nicht zu knacken. Vor den Weltmeisterschaften 1991 in Tokio, die das größte Weitsprungduell des Jahrhunderts her-vorbringen sollte lohnt es sich die ewige Besten-liste anzusehen, waren doch fast 23 Jahre seit "Mexiko 68" vergangen:
8,90 A Robert Beamon USA Mexiko City 18.10.1968
8,86 A Robert Emmijan UdSSR Tsakhkadzor 22.05.1987
8,79 Carl Lewis USA Indianapolis 19.06.1983
8,74 Larry Myricks USA Indianapolis 18.07.1988
8,66 Mike Powell USA Villen. d'Asq. 29.06.1990
8,54 Lutz Dombrowski DDR Moskau 28.07.1980
8,53 Jaime Jefferson Kuba Havanna 12.05.1990'
8,50 Llewellyn Starks USA Rhede 07.07.1991
8,46 Leonid Woloschin UdSSR Tallinn 05.07.1988
8,45 Nenad Stekic Jugosl. Montreal 25.07.1975
Die Überlegenheit Carls in der "Nach-Beamon-Ära" wird besonders deutlich, wenn man berücksichtigt, dass von den zwanzig besten Lei-stungen zu diesem Zeitpunkt (29.08.1991) dreizehn allein von Lewis stammten. Nun aber zum Endkampf der Weitspringer bei den Weltmei-sterschaften 1991 in Tokio:
Am 29.08. fand die Qualifikation statt, Lewis, der vier Tage zuvor den 100m-Lauf in neuem Weltrekord von 9,86 gewann, war nach einem ungültigen Versuch mit 8,56 der Weiteste, es folgten Europameister Dietmar Haaf (D - 8,21), Larry Myricks (USA - 8,20), Mike Powell (USA - 8,19) und Konstandinos Koukodimos (Grie. - 8,12). Alles erschien seinen gewohnten Gang zu gehen. Carl Lewis war nicht zu schlagen, die Frage war nur, wer wird Zweiter und wie groß ist der Abstand zum Sieger?
Der Vorkampf am 30.08. bestätigte diese Prognose, Lewis führte mit 8,83w (+2,3) vor Powell (8,54 +0,4), Haaf (8,21w +3,3) und Myricks (8,20 -0,8), es war nicht leicht zu springen, denn der Wind war sehr unterschiedlich und drehte sich sogar manchmal vom Helfer zum Gegner.
Der vierte Durchgang brachte keine Änderung, sondern vergrößerte den Klassenunterschied, denn Lewis hatte einen sehr schönen, weiten Sprung mit 8,91 (allerdings bei 2,9 m/sek Rüc-kenwind) - Powell war ähnlich weit gesprungen, hatte aber ein paar cm übergetreten. Myricks verdrängte den Deutschen Haaf mit einem 8,41-Sprung (-0,8) aus den Medaillenrängen.
Powell wußte nach seinem Fehlversuch plötzlich welche Möglichkeiten er trotz der Klasse Carl's hatte. Der fünfte Versuch wurde zum "Sprung seines Lebens", bei kaum spürbarer Windunterstützung von 0,3 m/sek trug es den Kalifornier sehr, sehr weit - die Augenzeugen an der Grube wußten spontan, dass sich etwas besonderes getan haben musste und das wurden kurz danach durch die Anzeigetafel der Weitsprunganlage bestätigt: 8,95 - neuer Weltrekord!. Lewis hatte noch zwei Möglichkeiten zu kontern, die erste verfehlte bei einem leichten Gegenwind (- 0,2) den neuen Weltrekord mit 8,87 nur knapp und in seinem letzten Sprung erreichte Lewis noch einmal mit 8,84 (+1,7) ein super Ergebnis, doch die beste Serie aller Zeiten reichte nicht zum WM-Titel und der Weltrekord, auf den er viele Jahre hingearbeitet hatte wurde ihm vor der Nase weggeschnappt.
Powell war mit 27-Jahren schon ein erfahrener Weitspringer, der allerdings in seiner gesamten Laufbahn vor dem 30.08.1991 (und auch danach) im Schatten seines Landsmannes Lewis stand, sein größter Erfolg war die Silbermedaille 1988 in Seoul, in Duellen mit Carl war er vor seinem Weltrekord in 15 Wettkämpfen immer unterlegen, dabei war der geringste Unterschied bei den US-Meisterschaften am 15.06.1991 in New York nur ein einziger Zentimeter (8,63 : 8,64). Powell wollte in diesem Wettkampf seinen 1990 in Abwesenheit von Lewis gewonnenen Titel verteidigen.
Den weitesten, mit 8,99 gemessenen Sprung hatte Mike, der Soziologie studiert hat, am 21.07.1992 im italienischen, auch durch den Wintersport bekannten Alpenstädtchen Sestrière, das 2.050m über dem Meeresspiegel liegt. Er hatte bei diesem Sprung unzulässige Windunterstützung von 4,4 m/sek. Beim selben Sportfest hatte auch Heike Drechsler den weite-sten Sprung einer Frau mit 6,63 bei ebenfalls unzulässigem Rückenwind, der im Gegensatz zu Powell's Windwert mit 2,1 m/sek nur minimal über dem Limit lag.
Für die Olympischen Spiele war Powell damit favorisiert, verlor aber mit einem Rückstand von drei Zentimetern gegen seinen Dauerkonkur-renten Carl Lewis, der 8,67 im ersten Versuch erreichte, während Powell "nur" 8,64 im letzten Durchgang entgegensetzen konnte. In Atlanta war Powell, durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen, nicht mehr so stark, um ganz vorne mitzumischen zu können und wurde Fünfter. Inzwischen beweist auch Powells Weltrekord nach neun Jahren Langlebigkeit, nur der Kubaner Ivan Pedroso war mit 8,96 am 29.07.1995 einmal weiter gesprungen, dabei wurde in der Presse zunächst von einem regulären Rekord berichtet, doch stellte sich später heraus, dass irgend etwas beim Ablesen des Rückenwindes, der offensichtlich über dem Limit lag, nicht gestimmt haben kann.
Die ersten zehn der ewigen Bestenliste per 31.12.1999:
8,95 Mike Powell USA Tokio 30.08.1991
8,90 A Robert Beamon USA Mexiko City 18.10.1968
8,87 Carl Lewis USA Tokio 30.08.1991
8,86 A Robert Emmijan UdSSR Tsakhkadzor 22.05.1987
8,74 Larry Myricks USA Indianapolis 18.07.1988
8,74 A Erick Walder USA El Paso 02.04.1994
8,71 Iván Pedroso Kuba Salamanca 18.07.1995
8,63 Kareem Streete-Thompson USA Linz 04.07.1994
8,62 James Beckford Jamaika Orlando 05.04.1997
8,56 Yago Lamela Spanien Turin 24.06.1999

 

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Weit- sprung

Es war schon immer etwas Besonderes auf der Titelseite des ATFS-Jahrbuches abgebildet zu sein, MIKE POWELL, USA, gelang das nach seinem Weltrekord mit 8,95 in 1991

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